Auf alten Gäulen lernt man reiten: 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“

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Ein Wein aus 2005 ist ein alter Gaul? Nein. Oder ist das wieder so ein grenz-debile Anspielung auf Körpersaft Austausch mit der Oma? Auch nicht. Gemeint ist hier das Alter der Reben, an denen die Trauben für unseren heutigen Wein wachsen. Es handelt sich dabei um den 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“, ein Irpinia Rosso IGT aus Kampanien/Italien. Und das es diesen Wein überhaupt gibt, grenzt an ein Wunder. Hier nun die ganze Geschichte.

Lernen von der „Grande Dame“…

Man kann durchaus von einer Sensation sprechen, als man in den 90er Jahren diese Rebstöcke auf einer Farm im Hinterland Kampaniens entdeckte. Der einzige Mensch der ein wenig Auskunft über diesen Reb-Wald geben konnte, war der damals schon 80 jährige Besitzer des Weingärtchens. Entdeckt wurden etwa ein Hektar 3 Meter hohe, bis zu 11 Meter breite und 250 Jahre alte Rebstöcke. Optisch eher an Bäume wie an Reben erinnernd. Eine DNA Analyse ergab schlussendlich, das es sich um einen Ur-Klon der Syrah Traube handelte: Sirica. Man traute seinen Augen kaum, denn diese von der Reblaus im 19. Jahrhundert verschonte Rotweinsorte galt als ausgerottet. Eine genetische Verwandtschaft mit den Rebsorten Teroldego, Lagrein und Refosco besteht ebenfalls. Doch nun genug Fakten – wie schmeckt der Wein?

Reb-Wald: 250 Jahre alte Sirica Reben

Die alten Reben bringen von Natur aus nur noch wenig Ertrag. Damit diese Dame hier nicht zu viel Makeup des Guten aufträgt, wird nur im Stahltank vergoren und auch die Zeit im Barrique ist auf 9 Monate begrenzt. Erstaunlich die Farbe: Diese dichte und dunkelrote Farbe mit violetten Reflexen wirkt fast schon jugendlich für einen Wein mit 9 Jahren Flaschenreife auf dem Buckel. Auch die Nase in das Glas zu halten erübrigt sich. Sofort nach dem Einschenken übernehmen Aromen von Schwarzkirsche und Backpflaumen die Kontrolle über die Raumluft. Was für ein einnehmender Auftritt der Dame in dem dunkelroten Kleidchen. Stürmisch werden hier dem „Trinkenden“ voller Charme und Charisma die Sinne vernebelt – und das ohne sich die Wirkung der 14% Alkohol zu Nutze zu machen. Geruchs-Erotik aller erster Güte. Am Gaumen gibt es dann die Faust im Samthandschuh. Die Kraft und Konzentration der alten Reben treffen auf eine samtige Eleganz, welche den 9 Jahren Flaschenreife zuzuschreiben ist. Dieses körperreiche und dunkelfruchtige Konglomerat mit einer guten Portion erdiger Würze, ätherischer Frische und mineralischer Struktur ruft förmlich den Geschmacksnerven zu: Nimm mich, jetzt! Auch die leicht animierende Bitter-Note im Abgang macht Lust auf den nächsten Schluck. Und ehe man es sich versieht, ist man den Verführungs-Spielchen des Syriacus unterlegen. Aus der Nummer kommt man so schnell auch nicht mehr raus und die Flasche leert sich unweigerlich dem Ende zu.

Leider (zum Glück) ist die Produktion sehr gering. Von diesem Wein werden im Schnitt nur 5000 Flaschen in den besten Jahren produziert. Der Syriacus ist somit ein quicklebendiges Wein-Fossil, welches an Geschmacks-Intensität und Aromen-Konzentration nur schwer zu überbieten sein sollte. Für jeden Weintrinker ein „must try“ auf der persönlichen Liste. Wir sind einfach nur froh, dass es so etwas in der uniformen Weinwelt überhaupt noch gibt.

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Rebolutions Bewertung 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“

Sexappeal: 3/3 – Die roten Lippen, das knappe Kleid, der intensive aber samtige Köper, Rotwein-Erotik auf obersten Niveau. Wir wollen mehr! Für immer!

Authentizität: 3/3 – Wenn es diesen Wein nicht gäbe, man könnte ihn auch nicht erfinden. Diese Laune der Natur ist ein kleines Wein-Wunder, welches an Authentizität nicht zu übertreffen ist. Hier spricht der Zahn der Zeit persönlich durch die uralt Reben der uralt Rebsorte Sirica.

Nachhaltigkeit: 3/3 – Die Farbe steht wie eine eins, auch nach 9 Jahren kein Zeichen der Alterung. Zudem setzt sich das Mundgefühl tief in der Weinabteilung unseres Gehirns fest. Die Geschichte um dieses Mysterium trägt genauso zu seiner Nachhaltigkeit bei, wie der intensive Geschmack. Und wenn diese 250 Jahre alte Reben nicht nachhaltig sind, was dann?

BÄM – Definitiv, weil es ihn gibt und jeder ihn erleben muss!

10/10 Rebolutions Fäuste! – für uns ein perfekter Wein!

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