Zisch, Wupp, Zapp, Bizzl: 2013 Braunewell Riesling Kalkstein

2013 Braunewell Riesling Kalkstein

Man darf gut und gerne behaupten, Riesling ist das Chamäleon unter den Weißwein Rebsorten auf dieser unserer Welt. Keine andere Rebsorte schafft es den Untergrund auf dem sie wächst so aussagekräftig und unverkennbar im Endprodukt Wein widerzuspiegeln. Egal ob Schiefer, Löss/Lehm, Kalkstein oder Bundsandstein, dem geübten Hobby-Geologen gelingt mit etwas Übung recht schnell die Zuordnung der Bodenformation, auf der der Riesling einst wuchs. Boden schmeckbar machen – wenn der Winzer es zulässt (Thema Aromahefen) – für den Riesling kein Problem.

Ausflug in die Steinwelt.

Kalkstein, bzw. Kalkmergel gibt es südlich des Maines in Deutschland in fast allen Anbaugebieten. Selbstredend wachsen die Reben hier nicht auf puren und festen Kalkstein, sondern saugen ihre Nährstoffe aus einem Ton/Löß Boden mit einem sehr hohen gelösten Kalkanteil. Der Ton sorgt zugleich für gute Wasserversorgung. Doch was macht den Riesling vom Kalk denn so besonders? Nehmen wir hier einen der schönsten Kalkriesling-Interpretationen als Anschauungsbespiel:

2013 Braunewell Essenheimer Riesling Kalkstein

Die Braunewells sitzen im Rheinhessischen Essenheim im schönen Selztal, nur wenige Kilometer südwestlich von Mainz gelegen. Durch die Söhne Christian und Stefan Braunewell kommt dazu eine gehörige Brise frischer Wind in das seit den 1960er Jahren bestehende Weingut. Doch nun mehr zu dem Wein. Der Geruch springt förmlich aus dem Glas und lässt einen so schnell auch nicht mehr los. Die Aromen Szenarien sind wild, aber ungemein sexy: Zitronenkuchen mit Zitronenschalte oben drauf, dazu Nektarine auf rauchigem Kalkstein (?). Man riecht die gelösten Mineralien im Boden, welche sich in Verbindung mit dem Riesling in dieser genialen Zitrus/Nektarine Komponente mehr als austoben. Alles wirkt sehr fokussiert, puristisch und irgendwie auch wild. Am Gaumen gibt es ein Laserstrahl aus Zitrus-Nektarine-Kalk-Säure Plasma. Es macht nur Zipp, Wupp und Zisch im Mund. Die Speichelproduktion arbeitet auch Hochtouren, die Zunge schnalzt, es bitzelt fast schon leicht elektrisierend. Der Wein ist förmlich auf die Mitte konzentriert. Puristisch, geradlinig, sexy und ausgesprochen attraktiv. Es ist einfach Wahnsinn wie Riesling mit der Kraft der Säure und den Eigenschaften des Bodens wie ein Chamäleon die unterschiedlichsten Charaktere annehmen kann. Wenn der Winzer es zulässt, ist alles drin. Man(n) muss sich nur auf das Rollenspiel einlassen…

2013 Braunewell Riesling Kalkstein

Rebolutions Bewertung 2013 Braunewell Essenheimer Riesling Kalkstein

Sexappeal: 2/3 – Ein sexy und sehr attraktiver Riesling der im rebolutionären Rollenspiel in Verbindung mit Kalk ganz klar die Rolle des animierenden „Erquickers“ annimmt. Hat man sich einmal auf ihn eingelassen, verzückt sein elektrisierendes Spiel im Mund und man möchte nicht mehr aufhören es zu erleben…

Authentizität: 3/3 – Diese Rebe gehört auf Kalk. Oder auf Schiefer. Egal, denn solange man die Herkunft und die Handschrift so deutlich schmecken kann, die „Reaktion“ im Mund so elektrisierend ist, kann man durchaus hier die Höchstnote ziehen. Einfach mal die Herkunft zeigen…

Nachhaltigkeit: 2/3 – Gut, dieser Wein ist für den mittelfristigen Konsum ausgelegt und sollte nicht für 15 Jahre oder mehr im Keller verschwinden. Wer aber einmal dieses fast schon einmalige Geschmacks-Spiel erlebt hat, wird wie süchtig immer wieder diesen Kick im Mundraum suchen. Der Wein brennt sich mit Sicherheit tief im Hirn fest. Kalkstein sei Dank.

BÄM: Fast. Kurz davor.

7/10 Rebolutions Fäuste.

Bezugsquelle: Für 11,50€ gibt es dieses lebendige und authentische Riesling-Werk ab Weingut oder bei deutsche-weine.com.

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