Mehr ist anders. 11.111 vs. 33.333 Stöcke pro Hektar

Siehe da: 33.333 Merlot Rebstöcke pro Hektar

Ein bisschen verrückt muss er schon sein, der gute Dominique Leandre Chevalier vom Chateau Le Queyroux (Nachfolgend nur noch DLC genannt). Wie sonst würde man auf die Idee kommen, eines der wohl aufwendigsten Weinbau Projekte in die Tat umzusetzen. Man nehme ein sehr steiniges Stück Land, unterteile dies in zwei Hälften und bepflanzte die eine Seite mit Merlot und die andere auch. Alles ist gleich. Der Boden, die Rebsorte (Klone), das Wetter. Nur einen fundamentalen Unterschied hat DLC hier eingebaut: Wo die eine Seite des Weinberges mit 11.111 Rebstöcken pro Hektar bepflanzt wurde, hat er auf der anderen Seite unglaubliche 33.333 Rebstöcke pro Hektar in den Boden gesetzt. Man muss die Zahl 33.333 einmal im Vergleich sehen: Wenn in Deutschland ein Acker mit Rebstöcken „dicht“ bepflanzt ist, stehen auf diesem etwa 8.000 pro Hektar. Das Bild zeigt das volle Ausmaß dieser Arbeit deutlich. Ach so, der Vollständigkeit halber, wir sind hier im Bordeaux, genauer gesagt in der Côtes de Blaye.

2012 DLC 33333 Merlot

Viel hilft viel?

Was passiert nun mit den beiden unterschiedlich gleichen Hälften? Nun, die Trauben werden völlig identisch ausgebaut und vinifiziert. Lesezeitpunkt, Spontanvergärung, Holzausbau – alles identisch. Sogar der Ertrag liegt auf beiden Seiten bei etwa 35 Hektoliter pro Hektar. Der rigorose Rebschnitt ermöglicht dieses Ergebnis, denn schlussendlich hängen maximal 1-2 Trauben–Cluster am Rebstock. Doch viel massiver ist die Auswirkung im Geschmack. Dieses Experiment sollte jeder Weinverrückte einmal erlebt, bzw. ertrunken haben. Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die beiden Weine in Intensität und Druck sind, und dennoch so viele Gemeinsamkeiten besitzen.

2012 DLC 11.111 Merlot

DLC 11111.12

In der Nase gibt es ein komplexes Kompott roter und dunkler Früchte (Herz Kirsche, Himbeere, Brombeere), eine charmante und leicht ätherische Frische (in Richtung Eukalyptus), dazu etwas Zimt und feine Edelhölzer. In Summe eine sehr frische und anregende Aromen Komposition. Im Mund geht es weiter mit feiner Säure, Frische und einer erstaunlichen Länge. Zu den frischen Früchten (siehe oben) gesellt sich etwas Erde und Mineral vom kargen Boden. Das Tannin ist reif, die Struktur lebendig und spielerisch. Der Trinkfluss ist für die 14,5% (sehr gut eingebundenen) Alkohol fast schon als stürmisch zu bezeichnen.

L 11111.12

Rebolutions Bewertung 2012er DLC Merlot “11111”

Sexappeal: 2/3 – Der 11.111 Merlot spielt mit Frische und Spannung, macht dadurch unglaublich Lust auf den nächsten Schluck. Der Körper ist athletisch, straff, aber dennoch wunderschön in Eleganz und Grazie. Merlot wie er transparenter kaum sein kann.

Authentizität: 3/3 – DLC lässt seinen Weinen den Spielraum die sie brauchen. Merlot so klassisch und pur wie er nur sein kann. Es wird nichts angereichert, geschönt oder gefiltert. Hier spricht das Terroir, die Heimat von DLC. Volle Punktzahl. Keine Frage.

Nachhaltigkeit: 2/3 – Im Vergleich zum 33.333 zeigt der 11.111er mit etwas Luft fast schon seine gesamte Schönheit. Er wird nicht der Landstreckenläufer sein wie sein dichter bepflanzter Bruder, zeigt aber dennoch eine tolle Entwicklung im Glas.

BÄM = Hat nicht ganz gereicht.

7/10 Rebolutions Fäuste

L 33333.12

DLC 33333.12

Aus dem Glas strömt ein Bollwerk von Wein. Dunkel, verschlossen, ein intensives Frucht Konzentrat ohne marmeladig oder eingekocht zu wirken. Da werden die Zähne schon vom Riechen schwarz. Zwischen dieser geballten Frucht steckt aber auch viel Erde, Mineral, Kräuter, Leder und Tabak – jeder Schwenk lässt andere Aromen hervorblitzen. Großes und erhabenes Nasen-Kino, welches an Tag 2 sein Höhepunkt erreicht. Im Mund bleibt bei aller Kraft und Konzentration eine durchgängige Frische zu erkennen. Das Tannin ist sehr fein und reif aber noch fest und braucht noch Jahre um sich vollends zu öffnen. Die Länge und der Druck sind außergewöhnlich, aber nie plump oder breit. Bei aller Kraft und Energie geht das Spiel mit den unterschiedlichen Aromen Konstellationen nicht verloren. Ein ganz großer Merlot dieses Planeten. 11111 hoch 3. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Rebolutions Bewertung 2012 DLC Merlot „33333“

Sexappeal: 3/3 – Der 33.333er verzaubert einen förmlich mit Aromenreichtum, Intensität und Ausdruck. Hier wird die gesamte Aufmerksamkeit abverlangt, um diesen Wein in seiner Gesamtheit zu begreifen. Dabei tanzt über die Zunge wie eine rassige Flamenco Tänzerin. Die Definition von Sexappeal.

Authentizität: 3/3 – Hier gilt das Gleiche wie beim 11.111. DLC lässt seinen Weinen den Spielraum die sie brauchen. Merlot wird mit der Kraft der Erde und Natur an seine Grenzen gebracht. Es wird nichts angereichert, geschönt oder gefiltert. Hier spricht das Terroir, die Heimat von DLC. Volle Punktzahl. Keine Frage.

Nachhaltigkeit: 3/3 – Der 2012 Jahrgang ist aktuell zwar Baby Mord, dennoch ist das Potential, die Nachhaltigkeit und schiere Größe dieses Weines jetzt schon sehr gut zu erkennen. Dieser Wein hat sich in unser Geschmacks-Erinnerungs-Zentrum festgesetzt. Nachhaltigkeit in allen 3 Punkten mehr als erfüllt. Am Tag 2 zeigt er so langsam seine schiere Größe. Geduldstrinken ist angesagt.

BÄM = Aber Hallo. Einer der ganz großen Merlots dieses Planeten!

10/10 Rebolutions Fäuste!

Bezugsquellen: Und genau hier liegt der Haken. Leider sind diese beiden Weinen bzw. das 11.111 vs. 33.333er Paket in Deutschland nicht verfügbar. Man kann aber direkt ab Weingut in Frankreich bestellen. Die Versandkosten können zum Beispiel durch eine entsprechend interessierte Weinrunde absorbiert werden. Einige nicht weniger spannende Weine des Chateau Le Queyroux sind in Deutschland bei Lobenberg – Gute Weine zu erwerben.

Das DLC Inegale Paket

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