Fränkische Affäre: 2014 Zehnthof Luckert Blauer Silvaner

Fränkische Affaire: 2014 Luckert Blauer Silvaner

Giancarlo Biscardi in „Meine Fränkische Affäre“

Geschrieben aus der emotionalen Sicht von Giancarlo Biscardi / Überarbeitet von Nico Medenbach.

Montagabend. Es ist dunkel und nasskalt. Der Herbst kommt in großen Schritten auf uns zu. Es gelüstet mich langsam aber sicher nach den vollmundigen und schmeichelnden Rotweinen, welche sich Druckvoll an meinen Gaumen schmiegen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Gattung von Wein, die sich wie ein Abenteuer in unserem Hirn festbrennen und auch noch Jahre später uns ein Schmunzeln in das Gesicht zaubern. Genau so etwas brauche ich – jetzt! Da trifft es sich gut, das ich auf den Weg zu Nico bin. Ja, mein Freund Nico, die andere Hälfte des Rebolution Teams. Der weiß (fast) immer was ich brauche. Nur zum deutschen Rotwein hat er mich noch nicht bekommen.

Warum schweife ich in der Einleitung so aus? Ganz einfach. Es gibt bei Nico keinen Rotwein. Nicht mal einen deutschen. Stattdessen schenkt er mir eine „Fränkische Blondine“ ein und verschwindet für 45 Minuten für eine Telefonkonferenz mit den USA. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Meine Vorurteile schweifen ins Bodenlose ab. Ich werde unfair. Was hat er mir da denn bloß in das Glas geschüttet? Weingut Zehnthof Luckert. Schön, und weiter? Dann dieser Name. „Blauer Silvaner“, hab ich noch nie gehört. Was soll‘s. Ich habe ja keine Wahl. Ich widme mich der unbekannten Blondine aus dem fränkischen Sulzfeld am Main und hoffe darauf, dass Nico in der Küche noch irgendwas Sinnliches im Dekanter vor mir verheimlicht.

Blauer Silvaner trifft auf enttäuschten Italiener

Ok, mal sehen, was haben wir denn hier vor uns. Immerhin ist mein Auge befriedigt, sprich die Farbe des Weines ist entzückend. Der 2014er Zehnthof Luckert Sulzfelder Blauer Silvaner zeigt eine schöne strohgelbe Farbe und suggeriert schon einmal rein optisch Reife und Standfestigkeit. Die tolle Farbe kommt übrigens von den fast blauen Trauben, welche auf der Maische vergoren, einen hellen Rotwein abgeben würden. Nur mal so am Rande. Mich giert es selten nach Frucht im Wein. Und irgendwie vermisse ich das jetzt auch hier nicht. Die Nase besänftigt mich sofort, denn zu meiner Freude riecht diese Blondine authentisch. Muschelkalk gepaart mit Heu und Gras springt mir entgegen. Dazu diese leicht hefigen Noten. Die lange Standzeit auf der Hefe hat dem Wein in seiner Entwicklung mehr als gut getan. So langsam macht es mir Spaß und ich fange an mich mit ihr anzufreunden – je mehr ich mich mit ihr beschäftige. Denn die zuerst scheue Dame braucht etwas Zeit um mit mir warm zu werden. Doch nach 15-20 Minuten fängt sie an mich zu unterhalten und schmeicheln. Daran kann ich mich durchaus gewöhnen.

Fränkische Affaire: 2014 Luckert Blauer Silvaner

Die Fränkin bittet zum Tanz

Tanzen kann sie, die Fränkin. Ihre Säure tänzelt rassig am Gaumen, was auf der Zunge genug Platz für ihre feinen Fruchtnoten lässt. Junge, ich schmecke prickelnde Birne. Dazu wieder dieser Muschelkalk, Heu und fränkische Würze. Komischerweise genau mein Ding. Untypisch lecker. Umso mehr ich der Dame Zeit gebe, desto mehr glaube ich an den Beginn einer langen Freundschaft. Sie wird sicher nicht die „beste“ Freundin werden. Also nicht die, die alles über mich weiß oder mit der man tiefgründige Gespräche über Doktor Sommer führt. Aber feiern werde ich mit ihr bis die Wolken wieder Lila sind. Und das auch gerne regelmäßig, weil sie so unverschämt unkompliziert ist und es mit ihr trotzdem nie langweilig wird. So mag ich mein Weißwein.

Rebolutionsbewertung 2014 Zehnthof Luckert Sulzfelder Blauer Silvaner

Authentizität: 3/3 – Ja, absolut volle Punktzahl. Egal ob Nase, Geschmack oder Aussehen, alles ist da wo es hingehört. Hohe Identifikation mit der Herkunft und der Rebsorte. Franken ist seine Heimat und Muschelkalk sein bevorzugtes Terroir.

Nachhaltigkeit: 2/3 – Ok, der Wein ist nichts für die Lange Lagerung, aber der Geschmack, die Erscheinung und der Typ bleiben fest im Gedächtnis hängen. Es wird uns eine Freude sein, sie immer wieder zu treffen.

Sexappeal: 1/3 – Sexy ist der Wein nicht wirklich. Die große Liebe auch nicht. Aber trotzdem fühlen wir uns zu ihr hingezogen – weil sie eben so unverschämt unkompliziert ist. Das muss man erst mal können!

Bäm: 0/1 – Nein. Wir sind entzückt, aber nicht geflasht.

6/10 Rebolutions Fäuste.

Bezugsquelle: Für 11€ gibt es die ur-fränkische Rebsorte aus dem Hause Luckert bei www.weinhalle.de.

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