Archiv der Kategorie: 10/10

Marco Parusso in: Der Million Euro Hektar Schaumwein

Oder: Wie ein Barolo durch eine Verknüpfung von Zufällen ein außergewöhnlicher Schaumwein wurde. Parusso Metodo classico

Parusso Metodo Classico Nebbiolo Brut

Marco Parusso? Nie gehört? Vielleicht einer der größten vinophilen Spinner im italienischen Winzer-Business überhaupt. Das mal so vorne weg als Einleitung. Für ihn ist das womöglich ein Riesenkompliment. Doch alles der Reihe nach.

Es war einmal eine zufällige Begegnung. Diese war schuld daran, dass Marco Parusso überhaupt Winzer wurde. Denn Ende der 70er lag der Piemont brach. Die lokale Weinwelt bestand fast nur aus großen Abfüllern oder anderen abhängigen Weinbauern, welche man regelrecht am langen Arm verhungern ließ.

Armando Parusso (Marcos Papa) wollte wie jeder Vater für seine Kinder nur das Beste. Alles, nur keiner dieser abhängigen Landwirte sollten sie einmal werden. Bei Marcos älteren Geschwistern setzte sich der väterliche Wunsch gänzlich durch. Doch Marco studierte dennoch Önologie. Das Studium alleine brachte ihn aber nicht weiter. Die Gefahr lag nahe, wieder in den Abhängigkeitsstrudel der Abfüller zu geraten. Also suchte er nach einer Alternative zum Weinbau. Marco Parusso in: Der Million Euro Hektar Schaumwein weiterlesen

Die Kunst und der Genuss des Wartens

Acconero Bricco Battista Rieserva

„Der muss noch reifen“. „Der braucht Luft“. „Den haben wir 5 Jahre zu früh aufgemacht.“ Kenne wir alle. Doch warum muss eigentlich Wein reifen?

Bevor wir euch jetzt mit Mikro-Oxidation, langkettigen Polyphenolen und all dem langweilen, was da so biochemisch über die Jahre hinter dem Korken so passiert, habe wir einfach einmal von dem gleichen Wein 6 verschiedene Jahrgänge aufgemacht. Einfach mal so. Um zu verstehen warum Wein reifen muss. Oder auch nicht. Oder vielleicht doch unbedingt?

Sicher gibt es hier keine generelle Antwort ob Wein reifen muss. Dafür gibt es viel zu viele unterschiedliche Stile. Unser Anschauungsbeispiel, der Barbera Superiore “Bricco Battista Riserva” von Acconero aus dem Piemont muss unbedingt reifen. Doch wieso? Lest es selbst. Oder noch besser: probiert es selbst! Die Kunst und der Genuss des Wartens weiterlesen

Mehr ist anders. 11.111 vs. 33.333 Stöcke pro Hektar

Siehe da: 33.333 Merlot Rebstöcke pro Hektar

Ein bisschen verrückt muss er schon sein, der gute Dominique Leandre Chevalier vom Chateau Le Queyroux (Nachfolgend nur noch DLC genannt). Wie sonst würde man auf die Idee kommen, eines der wohl aufwendigsten Weinbau Projekte in die Tat umzusetzen. Man nehme ein sehr steiniges Stück Land, unterteile dies in zwei Hälften und bepflanzte die eine Seite mit Merlot und die andere auch. Alles ist gleich. Der Boden, die Rebsorte (Klone), das Wetter. Nur einen fundamentalen Unterschied hat DLC hier eingebaut: Wo die eine Seite des Weinberges mit 11.111 Rebstöcken pro Hektar bepflanzt wurde, hat er auf der anderen Seite unglaubliche 33.333 Rebstöcke pro Hektar in den Boden gesetzt. Man muss die Zahl 33.333 einmal im Vergleich sehen: Wenn in Deutschland ein Acker mit Rebstöcken „dicht“ bepflanzt ist, stehen auf diesem etwa 8.000 pro Hektar. Das Bild zeigt das volle Ausmaß dieser Arbeit deutlich. Ach so, der Vollständigkeit halber, wir sind hier im Bordeaux, genauer gesagt in der Côtes de Blaye. Mehr ist anders. 11.111 vs. 33.333 Stöcke pro Hektar weiterlesen

Auf alten Gäulen lernt man reiten: 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“

2005_feudi_di_san_gregorio_syriacus

Ein Wein aus 2005 ist ein alter Gaul? Nein. Oder ist das wieder so ein grenz-debile Anspielung auf Körpersaft Austausch mit der Oma? Auch nicht. Gemeint ist hier das Alter der Reben, an denen die Trauben für unseren heutigen Wein wachsen. Es handelt sich dabei um den 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“, ein Irpinia Rosso IGT aus Kampanien/Italien. Und das es diesen Wein überhaupt gibt, grenzt an ein Wunder. Hier nun die ganze Geschichte.

Lernen von der „Grande Dame“…

Man kann durchaus von einer Sensation sprechen, als man in den 90er Jahren diese Rebstöcke auf einer Farm im Hinterland Kampaniens entdeckte. Der einzige Mensch der ein wenig Auskunft über diesen Reb-Wald geben konnte, war der damals schon 80 jährige Besitzer des Weingärtchens. Entdeckt wurden etwa ein Hektar 3 Meter hohe, bis zu 11 Meter breite und 250 Jahre alte Rebstöcke. Optisch eher an Bäume wie an Reben erinnernd. Eine DNA Analyse ergab schlussendlich, das es sich um einen Ur-Klon der Syrah Traube handelte: Sirica. Man traute seinen Augen kaum, denn diese von der Reblaus im 19. Jahrhundert verschonte Rotweinsorte galt als ausgerottet. Eine genetische Verwandtschaft mit den Rebsorten Teroldego, Lagrein und Refosco besteht ebenfalls. Doch nun genug Fakten – wie schmeckt der Wein? Auf alten Gäulen lernt man reiten: 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“ weiterlesen

Dreckig, wild, ungestüm und wollüstig? 2012 Jean Francois Ganevat J’en Veux!!!

2012_j-en_veux

Ohne große Worte zu verlieren – hier ist er: Der Weingewordene Swinger Club. Mit seinem 2012 J’en Veux!!! verstößt Jean Francois Ganevat so gut wie gegen jede Regel des schulischen Qualitätsweinbaus. 18 autochthone und NICHT in der AOC Jura zugelassene Rebsorten (Weiß und Rot!) wie l’Enfariné, Corbeau, Gueuche, Portugais Bleu, Gouais, Beclan, Petit Beclan, Argant oder Seyve-Villard, gepflanzt um 1900, alle werden einzeln ausgebaut und auf der Maische vergoren, kein Schwefel Einsatz, kein Pumpen, Unterdrücken, Schönung oder Filtration. Purer Wein, wie er authentischer nicht ausgebaut werden kann. Dreckig, wild, ungestüm und wollüstig? 2012 Jean Francois Ganevat J’en Veux!!! weiterlesen