Archiv der Kategorie: Frankreich

Mehr ist anders. 11.111 vs. 33.333 Stöcke pro Hektar

Siehe da: 33.333 Merlot Rebstöcke pro Hektar

Ein bisschen verrückt muss er schon sein, der gute Dominique Leandre Chevalier vom Chateau Le Queyroux (Nachfolgend nur noch DLC genannt). Wie sonst würde man auf die Idee kommen, eines der wohl aufwendigsten Weinbau Projekte in die Tat umzusetzen. Man nehme ein sehr steiniges Stück Land, unterteile dies in zwei Hälften und bepflanzte die eine Seite mit Merlot und die andere auch. Alles ist gleich. Der Boden, die Rebsorte (Klone), das Wetter. Nur einen fundamentalen Unterschied hat DLC hier eingebaut: Wo die eine Seite des Weinberges mit 11.111 Rebstöcken pro Hektar bepflanzt wurde, hat er auf der anderen Seite unglaubliche 33.333 Rebstöcke pro Hektar in den Boden gesetzt. Man muss die Zahl 33.333 einmal im Vergleich sehen: Wenn in Deutschland ein Acker mit Rebstöcken „dicht“ bepflanzt ist, stehen auf diesem etwa 8.000 pro Hektar. Das Bild zeigt das volle Ausmaß dieser Arbeit deutlich. Ach so, der Vollständigkeit halber, wir sind hier im Bordeaux, genauer gesagt in der Côtes de Blaye. Mehr ist anders. 11.111 vs. 33.333 Stöcke pro Hektar weiterlesen

Wein essen! 2011 Mas des Chimeres „Caminarem“ / Terrazzes du Larzac

2011 Mas des Chimeres Caminarem

Jeder mag sie, jeder liebt sie: Früchte im Wein. Cabernet Sauvignon riecht und schmeckt je nach Region und Ausbauart nach Brombeere und schwarzer Johannisbeere, Sangiovese aus der Toskana nach Kirschen und der Riesling trocken nach Apfel, Ananas oder Pfirsich. Lecker. Doch was wenn ein Wein nach „Essen“, sprich nach einer ganzen gekochten oder zubereiteten Mahlzeit oder zumindest Teilen davon riecht und schmeckt? Gibt’s nicht? Doch klar, gibt es! Gefunden haben wir so einen Kandidat im Süden Frankreichs, genauer gesagt in der AOC Terrazzes du Larzac, einen noch relativ unbekannten Teil des Languedoc: Der 2011 Mas des Chimeres „Caminarem“.

Premium fürs Volk.

Mas des Chimeres bzw. Eigentümer Guilhem Dardé macht Wein für das Volk. Egal ob der trinkende Mob in Deutschland sitzt oder direkt vor den Toren des Weingutes im Örtchen Octon verweilt, sein guter Wein (und er macht mit den besten in dieser Region) soll bezahlbar und auch für den ländlichen Pöbel erschwinglich sein. Dabei soll sein Idealbild des authentischen, greifbaren und ehrlichen Weines aus der Region Terrazzes du Larzac nicht nur der weltweiten Weinentdeckergesellschaft vorbehalten sein. Spitzenwein für das ländliche Volk – wenn das mal kein sympathischer Ansatz ist. Wein essen! 2011 Mas des Chimeres „Caminarem“ / Terrazzes du Larzac weiterlesen

Den würde ich meinen Eltern vorstellen: 2010 Binet y Jacques Faugeres Reserve

2010 Binet y Jacquet Reserve

Oh man, Sonntagabend nach einem durchzechten Wochenende. Der Plan schien so einfachen: einen unkomplizierten Wein probieren, der uns einfach nur Freude bereitet. Vergleichbar mit einer kurzen Affäre. Einen entspannten Abend zu zweit, aber gefrühstückt wird alleine. Alles ohne Verpflichtungen und Regeln. Diese kurzweilige Freude sollte uns folgender Wein bringen: 2010 Binet y Jacques Reserve – aus der AOC Faugeres, gelegen im Herzen des Languedoc. Auf dem Papier ein klassischer südfranzösischer Rotwein-Cuvée aus 40% Grenache, 30% Syrah, 20% Carignan und 10% Mourvèdre. Zum Teil von über 100 Jahre alte Reben. So wie sich das für die Region eben gehört.

Ohne große Umwege wird der Wein geöffnet. Dicht, undurchschaubar und von strahlendem Glanze „liegt“ der Wein nun in unserem Glas – und verdammt, er ist mehr als nur sexy. Den würde ich meinen Eltern vorstellen: 2010 Binet y Jacques Faugeres Reserve weiterlesen

Fast versaut: Champagner Louis Nicaise Rosé Brut

Farbe weg weil leer: Champagner Louis Nicaise Rose Brut

Folgende Situation: Man lädt seine über alles verehrte Herzensdame in ein romantisches Restaurant ein. Ziel der Mission: Heiratsantrag. Alles läuft glatt. Nach dem Dessert wird die entscheidende Frage mit „Ja“ beantwortet. Volltreffer! Jetzt kann ja nichts mehr schief gehen. Die rechte Hand wird gehoben und es fällt der verhängnisvolle Satz: Das muss gefeiert werden – CHAMPAGNER! Ohne in die Karte zu schauen wird nach der ansässigen Feier- und Gute Laune Brause gerufen. Der Gastwirt greift nach der Standardware. Moet, Verve Clicquot oder Heidsieck & Co – was gerade seit ewig und drei Tagen auf seinen großen Auftritt wartet. Mit einem Lächeln im Gesicht schenkt die Bedienung ein. Die Gläser klirren, die Augen strahlen, die Brause wird genussvoll konsumiert. Doch dann folgt die Ernüchterung. So soll Champagner schmecken? Wo ist sie hin, die Feinheit des gelobten Produktes? Hierfür darf ich jetzt 90€ bezahlen? Und ehe man sich versieht wird aus dem Genusstrinken ein Funktionstrinken, weil man sich unter dem 90€ Schampus etwas gänzlich anderes vorgestellt hatte…

Wir lehnen uns mal weit aus dem Fenster und behaupten: Fast versaut: Champagner Louis Nicaise Rosé Brut weiterlesen

Dreckig, wild, ungestüm und wollüstig? 2012 Jean Francois Ganevat J’en Veux!!!

2012_j-en_veux

Ohne große Worte zu verlieren – hier ist er: Der Weingewordene Swinger Club. Mit seinem 2012 J’en Veux!!! verstößt Jean Francois Ganevat so gut wie gegen jede Regel des schulischen Qualitätsweinbaus. 18 autochthone und NICHT in der AOC Jura zugelassene Rebsorten (Weiß und Rot!) wie l’Enfariné, Corbeau, Gueuche, Portugais Bleu, Gouais, Beclan, Petit Beclan, Argant oder Seyve-Villard, gepflanzt um 1900, alle werden einzeln ausgebaut und auf der Maische vergoren, kein Schwefel Einsatz, kein Pumpen, Unterdrücken, Schönung oder Filtration. Purer Wein, wie er authentischer nicht ausgebaut werden kann. Dreckig, wild, ungestüm und wollüstig? 2012 Jean Francois Ganevat J’en Veux!!! weiterlesen