Archiv der Kategorie: Naturnah

Marco Parusso in: Der Million Euro Hektar Schaumwein

Oder: Wie ein Barolo durch eine Verknüpfung von Zufällen ein außergewöhnlicher Schaumwein wurde. Parusso Metodo classico

Parusso Metodo Classico Nebbiolo Brut

Marco Parusso? Nie gehört? Vielleicht einer der größten vinophilen Spinner im italienischen Winzer-Business überhaupt. Das mal so vorne weg als Einleitung. Für ihn ist das womöglich ein Riesenkompliment. Doch alles der Reihe nach.

Es war einmal eine zufällige Begegnung. Diese war schuld daran, dass Marco Parusso überhaupt Winzer wurde. Denn Ende der 70er lag der Piemont brach. Die lokale Weinwelt bestand fast nur aus großen Abfüllern oder anderen abhängigen Weinbauern, welche man regelrecht am langen Arm verhungern ließ.

Armando Parusso (Marcos Papa) wollte wie jeder Vater für seine Kinder nur das Beste. Alles, nur keiner dieser abhängigen Landwirte sollten sie einmal werden. Bei Marcos älteren Geschwistern setzte sich der väterliche Wunsch gänzlich durch. Doch Marco studierte dennoch Önologie. Das Studium alleine brachte ihn aber nicht weiter. Die Gefahr lag nahe, wieder in den Abhängigkeitsstrudel der Abfüller zu geraten. Also suchte er nach einer Alternative zum Weinbau. Marco Parusso in: Der Million Euro Hektar Schaumwein weiterlesen

Auf alten Gäulen lernt man reiten: 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“

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Ein Wein aus 2005 ist ein alter Gaul? Nein. Oder ist das wieder so ein grenz-debile Anspielung auf Körpersaft Austausch mit der Oma? Auch nicht. Gemeint ist hier das Alter der Reben, an denen die Trauben für unseren heutigen Wein wachsen. Es handelt sich dabei um den 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“, ein Irpinia Rosso IGT aus Kampanien/Italien. Und das es diesen Wein überhaupt gibt, grenzt an ein Wunder. Hier nun die ganze Geschichte.

Lernen von der „Grande Dame“…

Man kann durchaus von einer Sensation sprechen, als man in den 90er Jahren diese Rebstöcke auf einer Farm im Hinterland Kampaniens entdeckte. Der einzige Mensch der ein wenig Auskunft über diesen Reb-Wald geben konnte, war der damals schon 80 jährige Besitzer des Weingärtchens. Entdeckt wurden etwa ein Hektar 3 Meter hohe, bis zu 11 Meter breite und 250 Jahre alte Rebstöcke. Optisch eher an Bäume wie an Reben erinnernd. Eine DNA Analyse ergab schlussendlich, das es sich um einen Ur-Klon der Syrah Traube handelte: Sirica. Man traute seinen Augen kaum, denn diese von der Reblaus im 19. Jahrhundert verschonte Rotweinsorte galt als ausgerottet. Eine genetische Verwandtschaft mit den Rebsorten Teroldego, Lagrein und Refosco besteht ebenfalls. Doch nun genug Fakten – wie schmeckt der Wein? Auf alten Gäulen lernt man reiten: 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“ weiterlesen

Richtig gehört: Roter Veltliner!

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Die Weinwelt kann schon verwirrend sein. Bestes Beispiel: der weiße Rote Veltliner, welcher so gar nichts mit dem grünen Veltliner zu tun hat. Gut, er kommt wie sein Grüner Namensvetter ebenfalls aus Österreich, genauer gesagt aus der Niederösterreichischen Region Wagram. Hier hat er zumindest sein qualitatives Hauptquartier. Doch damit enden auch die Gemeinsamkeiten. Verwandt ist der Rote Veltliner mit dem Weißroten, Braunen Veltliner, Silberweißen Veltliner, Zierfandler, Rotgipfler und dem Gelbling. Und gemeinsam wohnen sie in der Villa Regenbogen. Letzteres ist natürlich Quatsch.

Der Name ist Program: Roter Veltliner

Prinzessin.

Im Weinberg ist der ertragreiche Rote Veltliner eher schwierig. Da die Trauben anfällig für Pilzkrankheiten sind, braucht die Prinzessin viel Pflege und Zuwendung. Das mag einer der Gründe dafür sein, warum sie nur noch auf ca. 190 Hektar in Österreich zu finden ist. Um diese Prinzessin besser kennenzulernen, stellen wir euch heute gleich zwei Rote Veltliner vor. Einmal den Kennenlernen-Flirt für den kleinen Geldbeutel und eine zur Königin gereifte Schönheit. Richtig gehört: Roter Veltliner! weiterlesen

Den würde ich meinen Eltern vorstellen: 2010 Binet y Jacques Faugeres Reserve

2010 Binet y Jacquet Reserve

Oh man, Sonntagabend nach einem durchzechten Wochenende. Der Plan schien so einfachen: einen unkomplizierten Wein probieren, der uns einfach nur Freude bereitet. Vergleichbar mit einer kurzen Affäre. Einen entspannten Abend zu zweit, aber gefrühstückt wird alleine. Alles ohne Verpflichtungen und Regeln. Diese kurzweilige Freude sollte uns folgender Wein bringen: 2010 Binet y Jacques Reserve – aus der AOC Faugeres, gelegen im Herzen des Languedoc. Auf dem Papier ein klassischer südfranzösischer Rotwein-Cuvée aus 40% Grenache, 30% Syrah, 20% Carignan und 10% Mourvèdre. Zum Teil von über 100 Jahre alte Reben. So wie sich das für die Region eben gehört.

Ohne große Umwege wird der Wein geöffnet. Dicht, undurchschaubar und von strahlendem Glanze „liegt“ der Wein nun in unserem Glas – und verdammt, er ist mehr als nur sexy. Den würde ich meinen Eltern vorstellen: 2010 Binet y Jacques Faugeres Reserve weiterlesen

Fast versaut: Champagner Louis Nicaise Rosé Brut

Farbe weg weil leer: Champagner Louis Nicaise Rose Brut

Folgende Situation: Man lädt seine über alles verehrte Herzensdame in ein romantisches Restaurant ein. Ziel der Mission: Heiratsantrag. Alles läuft glatt. Nach dem Dessert wird die entscheidende Frage mit „Ja“ beantwortet. Volltreffer! Jetzt kann ja nichts mehr schief gehen. Die rechte Hand wird gehoben und es fällt der verhängnisvolle Satz: Das muss gefeiert werden – CHAMPAGNER! Ohne in die Karte zu schauen wird nach der ansässigen Feier- und Gute Laune Brause gerufen. Der Gastwirt greift nach der Standardware. Moet, Verve Clicquot oder Heidsieck & Co – was gerade seit ewig und drei Tagen auf seinen großen Auftritt wartet. Mit einem Lächeln im Gesicht schenkt die Bedienung ein. Die Gläser klirren, die Augen strahlen, die Brause wird genussvoll konsumiert. Doch dann folgt die Ernüchterung. So soll Champagner schmecken? Wo ist sie hin, die Feinheit des gelobten Produktes? Hierfür darf ich jetzt 90€ bezahlen? Und ehe man sich versieht wird aus dem Genusstrinken ein Funktionstrinken, weil man sich unter dem 90€ Schampus etwas gänzlich anderes vorgestellt hatte…

Wir lehnen uns mal weit aus dem Fenster und behaupten: Fast versaut: Champagner Louis Nicaise Rosé Brut weiterlesen

Testarossa oder doch nur rote Haare? 2012 Clüsserath-Weiler Terra Rossa Riesling

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Wir sind oft getrieben von niederen Instinkten: Verlangen, Wollust, Gier. Wir sehen oder probieren etwas und denken instinktiv: Ich will mehr davon. Für den einen sind es schnelle Autos (Testarossa = Terra Rossa – na, klingelt‘s?), für den anderen rot-haarige „Ginger Frauen“. Oder eben ein Wein. So wie dieser hier. 2012 Clüsserath-Weiler Terra Rossa Riesling trocken. Doch warum gerade der? Hier steht’s. Testarossa oder doch nur rote Haare? 2012 Clüsserath-Weiler Terra Rossa Riesling weiterlesen