Schlagwort-Archive: 2005

Die Kunst und der Genuss des Wartens

Acconero Bricco Battista Rieserva

„Der muss noch reifen“. „Der braucht Luft“. „Den haben wir 5 Jahre zu früh aufgemacht.“ Kenne wir alle. Doch warum muss eigentlich Wein reifen?

Bevor wir euch jetzt mit Mikro-Oxidation, langkettigen Polyphenolen und all dem langweilen, was da so biochemisch über die Jahre hinter dem Korken so passiert, habe wir einfach einmal von dem gleichen Wein 6 verschiedene Jahrgänge aufgemacht. Einfach mal so. Um zu verstehen warum Wein reifen muss. Oder auch nicht. Oder vielleicht doch unbedingt?

Sicher gibt es hier keine generelle Antwort ob Wein reifen muss. Dafür gibt es viel zu viele unterschiedliche Stile. Unser Anschauungsbeispiel, der Barbera Superiore “Bricco Battista Riserva” von Acconero aus dem Piemont muss unbedingt reifen. Doch wieso? Lest es selbst. Oder noch besser: probiert es selbst! Die Kunst und der Genuss des Wartens weiterlesen

Auf alten Gäulen lernt man reiten: 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“

2005_feudi_di_san_gregorio_syriacus

Ein Wein aus 2005 ist ein alter Gaul? Nein. Oder ist das wieder so ein grenz-debile Anspielung auf Körpersaft Austausch mit der Oma? Auch nicht. Gemeint ist hier das Alter der Reben, an denen die Trauben für unseren heutigen Wein wachsen. Es handelt sich dabei um den 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“, ein Irpinia Rosso IGT aus Kampanien/Italien. Und das es diesen Wein überhaupt gibt, grenzt an ein Wunder. Hier nun die ganze Geschichte.

Lernen von der „Grande Dame“…

Man kann durchaus von einer Sensation sprechen, als man in den 90er Jahren diese Rebstöcke auf einer Farm im Hinterland Kampaniens entdeckte. Der einzige Mensch der ein wenig Auskunft über diesen Reb-Wald geben konnte, war der damals schon 80 jährige Besitzer des Weingärtchens. Entdeckt wurden etwa ein Hektar 3 Meter hohe, bis zu 11 Meter breite und 250 Jahre alte Rebstöcke. Optisch eher an Bäume wie an Reben erinnernd. Eine DNA Analyse ergab schlussendlich, das es sich um einen Ur-Klon der Syrah Traube handelte: Sirica. Man traute seinen Augen kaum, denn diese von der Reblaus im 19. Jahrhundert verschonte Rotweinsorte galt als ausgerottet. Eine genetische Verwandtschaft mit den Rebsorten Teroldego, Lagrein und Refosco besteht ebenfalls. Doch nun genug Fakten – wie schmeckt der Wein? Auf alten Gäulen lernt man reiten: 2005 Feudi di San Gregorio „Syriacus“ weiterlesen

Die Geburtsstunde der Rebolution

Rebolution

Wie die Idee der Rebolution entstand. Erzählt von Giancarlo Biscardi

Situation: Männer-Abend im Gianoli.
Anwesende: Nico Medenbach und Giancarlo Biscardi
Grund des Ereignisses: Guten Wein trinken, reden, klugscheißen.

Wie könnte man eine Spontan-Degustation besser beginnen als mit Nicos „Wein des Jahres“ 2013, dem 2009er Domain Gourt de Mautens aus dem Rasteau, einer AOC der südlichen Rhône. Zuerst blieb dieser Wein etwas verschlossen und wirkte „unrund“, doch – um es vorweg zu nehmen – es lohnt sich zu warten. Man könnte fast sagen, dass die Oxidation in diesem Fall wahre Wunder bewirkte. Der erste, verschlossene Eindruck verschwand nach und nach und der Wein wurde größer und größer, öffnete sich und gab immer mehr preis. Schlichtweg ein Ausnahme-Wein. Doch um sich nicht ganz der Weinphilosophie hinzugeben, dient die detaillierte Beschreibungen unter drunkenmonday.de als Wegbegleiter um diesen fantastischen Wein in seiner ganzen Fülle und Größe zu erkunden.

Spontan-Degustation war also das Motto. Wir gerieten – wie soll es anders auch sein – ziemlich schnell ins Wein-Philosophieren, Wein-Diskutieren und Wein-Debattieren. Dabei konnten wir uns herrlich über die Macht der großen und einflussreichen Weinkritiker und die Entwicklung derer angepriesene Top-Weine dieser Welt aufregen, dass wir spontan das „Spontan“ an diesem Abend weg ließen. Aufhänger unserer Weindebatte war die scheinbar willkürliche, auf sich ähnelnde Stilistik basierende Vergabe von 95 und mehr Punkten. Die Geburtsstunde der Rebolution weiterlesen